Beratungs- und Unterstützungsangebote nach 2018

Die Anerkennung des Unrechts und Leids der ehemaligen Heimkinder sowie die damit verbundene Aufarbeitung der Geschichte der Heimerziehung ist mit Auslaufen des Heimfonds Ende 2018 nicht beendet.

Viele Betroffene, möglicherweise auch ihre Angehörigen, haben hier weiterhin Informations- und Beratungsbedarf und suchen den Austausch untereinander .

Mit KISS, der Kontakt-und Informationsstelle für Selbsthilfe in Saarbrücken, gibt es im Saarland bereits eine übergreifende Beratungsstruktur, die auch von ehemaligen Heimkindern genutzt werden kann.

Sie erreichen diese unter der Telefonnummer: 06 81 / 96 02 13 0 oder der E-Mail-Adresse: kontakt@selbsthilfe-saar.de

Homepage: https://www.selbsthilfe-saar.de/was-wir-tun/

Nachhaltigkeit – was bleibt?

Die ehemaligen Heimkinder haben ihre persönlichen Erfahrungen ganz unterschiedlich verarbeitet und blicken größtenteils nach vorne. Sie sollten nicht in erster Linie als „ehemalige Heimkinder“ gesehen werden, sondern als starke Persönlichkeiten, die ihr Leben anpacken und meistern.

Im Runden Tisch haben Betroffene immer wieder betont, dass ihr Hauptanliegen ist, dass niemals wieder Kinder in Heimeinrichtungen die von ihnen gemachten Erfahrungen teilen müssen.

Daher hat es sich die Anlauf- und Beratungsstelle (AuB) beim Landesjugendamt des Saarlandes zum Ziel gesetzt, insbesondere künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe für diese Thematik zu sensibilisieren. In diesem Zusammenhang planen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Anlauf– und Beratungsstelle für das Jahr 2018 ein Projekt zur Aufarbeitung der Heimerziehung im Saarland. Dies soll in Kooperation mit Betroffenen, den Akademien für Erzieherinnen und Erzieher der Fakultät Sozialwissenschaften der htw saar erfolgen. Geplant sind Vorträge, Lesungen, Workshops zum Thema „Fonds Heimerziehung West“ und eine Wanderausstellung.

 

 

Länderübergreifend:

Mit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes am 1. Januar 2012 wurden im § 45 SGB VIII Beteiligungsverfahren und Beschwerdemöglichkeiten zur Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen als Voraussetzung für die Erteilung einer Betriebserlaubnis normiert.

Die Jugend- und Familienministerkonferenz hat im Mai 2015 in Perl eine grundlegende Prüfung der rechtlichen Grundlagen der Heimaufsicht sowie eine Weiterentwicklung der §§ 45 ff. SGB VIII zur Stärkung der Handlungsmöglichkeiten der Aufsicht beschlossen und eine Arbeitsgruppe hierzu eingerichtet.

Hier fordert die Arbeitsgruppe der Jugend- und Familienministerkonferenz, den Zugang zu extern unabhängigen Beschwerdestellen zu ermöglichen. Eine Forderung ist es auch, die Rechtsgrundlage zu schaffen, damit örtliche Prüfungen in Heimen auch unabhängig von einem konkreten Prüfungsanlass ohne vorherige Anmeldung zulässig sind.

 

Auf der Grundlage des § 45 Absatz 2 Nr. 3 SGB VIII prüft das Landesjugendamt im Rahmen des Betriebserlaubnisverfahren, ob der Träger Verfahren der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an strukturellen Entscheidungen in der Einrichtung sowie Beschwerdeverfahren in persönlichen Angelegenheiten vorhält.

Aktuell befinden sich die „Richtlinien zur Wahrnehmung der Aufgaben zum Schutz von Kindern in (teil-) stationären Einrichtungen durch das Landesjugendamt gemäß §§ 45-48a SGB VIII“ im Saarland in Überarbeitung; darin werden die Aspekte „Beschwerde und Beteiligung“ in angemessener Weise berücksichtigt.

Abschlussveranstaltung zur Aufarbeitung der Heimerziehung am 08.02.2017

Bilanz der Aufarbeitung der „Heimerziehung im Saarland 1949 bis 1975“

Nach zwei Jahren intensiver und erfolgreicher Arbeit konnte das wissenschaftliche Begleitprojekt zur Aufarbeitung der „Heimerziehung im Saarland 1949 bis 1975“ am 08.02.2017 mit einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung im Beisein von Sozialministerin Monika Bachmann beendet werden. Die Ministerin dankte den Betroffenen für „ihren Mut und ihre Offenheit, sich durch ihre Berichte zum Alltag in den Heimen der eigenen Vergangenheit nochmals zu stellen und sie als Teil ihrer ganz persönlichen Lebensgeschichte zu akzeptieren.“ Gleichzeitig zollte sie ihnen Respekt und Anerkennung dafür, “dass sie trotz und gerade wegen ihres ganz persönlichen Schicksals in ihrem Leben vieles geschafft und erreicht haben und sich durch ihre unersetzliche und wertvolle Mitarbeit an der Aufarbeitung in besonderem Maße verdient gemacht haben.“

Das Sozialministerium hatte im Jahr 2014 die Universität Koblenz Landau unter Leitung von Prof. Christian Schrapper mit der wissenschaftlichen Begleitung beauftragt. Im Zuge der Aufarbeitung wurde ein Runder Tisch „Heimerziehung im Saarland 1949 bis 1975“ einberufen. Insgesamt achtmal trafen sich ehemalige Heimkinder als Betroffene, Vertreterinnen und Vertreter früherer und heutiger Heimträger, die Vorsitzende Sabine Schmitt gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des ad-hoc-Ausschusses des Landesjugendhilfeausschusses, Delegierten der kommunalen Ebene und des Sozialministeriums, um aus den oft schmerzhaften Erfahrungen von Heimkindern in der Vergangenheit Lehren und Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen. Es galt zu erkennen, welche Auswirkungen eine „Heim-Erfahrung“ für das weitere Leben haben kann und sicherzustellen, dass die Erfahrungen von Hilflosigkeit, Unterdrückung und des Ausgeliefertseins sich in der heutigen Heimerziehung möglichst nicht mehr wiederholen können.

Die öffentliche Jugendhilfe war Teil der damaligen Verantwortungskette und das Landesjugendamt in dem angesprochenen Zeitraum selbst Träger einer Heimeinrichtung. Das Unrecht kann nicht ungeschehen gemacht werden – gleichwohl ist dieses Aufarbeitungsprojekt ein wichtiger Schritt, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen.

Rund 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Lehre und Fachöffentlichkeit sowie viele Betroffene nahmen an der Veranstaltung teil. Ute Gessner als Betroffene eröffnete mit ihrem Gesicht „Schuldig“ die Veranstaltung (UteGessner_Gedicht_Schuldig).

Rednerinnen und Redner waren

  • Ministerin Monika Bachmann als Ministerin, in deren Verantwortungsbereich der unter Minister a. D. Andreas Storm begonnene Aufarbeitungsprozess für das Saarland organisiert und begleitet wurde (Grußwort_MinisterinBachmann_2017-02-08),
  • Professor Dr. Christian Schrapper als Projektverantwortlichem der Universität Koblenz-Landau sowie
  • Sabine Schmitt in ihrer Funktion als Vorsitzende des ad-hoc-Ausschuss „Heimerziehung 1949 – 1975 im Saarland“ des Landesjugendhilfeausschusses (Grußwort_SabineSchmitt 080217),

die die Heimgeschichte im Saarland in den 50er und 60er Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten.

Besonders eindrücklich war der Bericht von Lieselotte Luther und Richard Baton über ihre persönlichen Erfahrungen und Erwartungen in Bezug auf die Nachhaltigkeit der Aufarbeitung.

Im Anschluss nutzten viele Besucher noch die Gelegenheit zum persönlichen Austausch.

Beitrag des Landesjugendhilfeausschusses zur Aufarbeitung der Heimerziehung

Mit der Bildung eines ad-hoc-Ausschusses „Heimerziehung 1949 – 1975“ hat der Landesjugendhilfeausschuss im Saarland Ende 2013 insbesondere den betroffenen ehemaligen Heimkindern ein Forum für den Austausch, für eine überindividuelle Aufarbeitung und zur Begleitung des „Runden Tisches“ im Rahmen des Forschungsprojektes der Universität Koblenz-Landau geboten. In der wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Schrapper stehen folgerichtig die Betroffenen, z. B. durch zahlreiche biografisch-erzählende Interviews, im Mittelpunkt der Dokumentation. Betroffene ehemalige Heimkinder haben in der Abschlussveranstaltung des Forschungsprojektes ein Statement abgegeben und mit Unterstützung der Anlauf- und Beratungsstelle an einem Studientag der Fachrichtung Soziale Arbeit an der Hochschule für Wirtschaft und Technik aktiv mitgewirkt. Die Partizipation ehemaliger Heimkinder war somit im Saarland zentraler konzeptioneller Bestandteil des Aufarbeitungsprozesses.

 

Lesung

Lesung  am 24. September um 18 Uhr im Rathaus St. Johann

im Rahmen der Wanderausstellung Verwahrlost und gefährdet?

 

Die Regionale Anlauf-und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder im Saarland im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie-Saarländisches Landesjugendamt zeigt in Kooperation mit der Landeshauptstadt Saarbrücken die Wanderausstellung „Verwahrlost und gefährdet?“ des Landesarchives Baden-Württemberg.

Im Rahmen des Begleitprogramms zur Wanderausstellung findet am Montag, dem 24. September 2018, um 18:00 Uhr im Festsaal des Rathauses Saarbrücken St. Johann eine Lesung statt, bei der Betroffene Passagen aus dem Buch „Lebenswege nach Heimerziehung. Porträts und Einblicke aus dem Saarland 1945-1975“ der Autoren Christian Schrapper, Claudia Ströder und Sabine Imeri lesen werden. Der Eintritt ist frei.

Ausstellung im Saarland vom 6. August 2018 – 28. September 2018

Die Regionale Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder im Saarland im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie zeigt in Kooperation mit der Landeshauptstadt Saarbrücken eine Ausstellung „Verwahrlost und Gefährdet?“ des Landesarchivs Baden-Württemberg mit einem Begleitprogramm im Hauberisser Saal im Rathaus St. Johann am Rathausplatz 1 in 66111 Saarbrücken.

Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten sind: Mo-Fr 9:00-18:00 Uhr.

Die Ausstellung wurde am 6. August um 13 Uhr von Sozialministerin Monika Bachmann eröffnet und die Thematik wurde durch Fachvorträge von Prof. Dr. Ulrike Zöller und Dr. Clemens Rehm  vertieft. Peter Kneip hat als Ehemaliger und Schattenkünstler einen saarlandspezifischen Beitrag geleistet und stellt mit aus.

Grußwort von Sozialministerin Monika Bachmann
Fachvortrag von Prof. Dr. Ulrike Zöller, Vorsitzendes des Beirats der Anlauf- und Beratungsstelle Baden-Württemberg, Dozentin an der htw saar
Saarlandspezifischer Beitrag von Peter Kneip, Ehemaliger und Schattenkünstler
Ausstellungsrundgang mit Dr. Clemens Rehm, Abteilungsleiter „Archivischer Grundsatz“ Landesarchiv Baden-Württemberg
Durchschnittlicher Platz zum Schlafen, der einem Heimkind 1965 zustand

Weitere Begleitveranstaltungen zur Ausstellung finden am 9. August 2018, 23. August und 10. September 2018 statt.

Den Informationsflyer mit allen Details finden Sie hier: Flyer Wanderausstellung

 

 

Neuerscheinung: Buch „Lebenswege nach Heimerziehung – Porträts und Einblicke aus dem Saarland 1945-1975“

Ausgehend von den Erzählungen ehemaliger Heimkinder und Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeitern der Jugendfürsorge und Heimerziehung im Saarland wurde eine Publikation von Professor Christian Schrapper, Claudia Ströder und Sabine Imeri erstellt , die im Panama-Verlag unter dem Titel „Lebenswege nach Heimerziehung – Porträts und Einblicke aus dem Saarland 1945-1975“ unter der ISBN 978-3-938714-60-7 zum Preis von 29,90 € erhältlich ist. Darüber hinaus enthält die Publikation eine DVD, zum einen mit personenbezogen aufbereitetem Material aus den gefilmten Interviews und zum anderen mit themenbezogen aufbereitetem Material.

Sie können das Buch im Buchhandel  oder beim Verlag ab dem 07.05. unter folgendem Link beziehen: https://www.panama-verlag.de/shop/Produkt/lebenswege/.

Das Grußwort von Ministerin Bachmann können Sie ebenfalls hier abrufen: Grußwort Ministerin Bachmann im Buch Lebenswege nach Heimerziehung.

Abschlussveranstaltung zur Aufarbeitung der Heimerziehung im Saarland

Vorankündigung:

Die Abschlussveranstaltung zur Aufarbeitung der Heimerziehung im Saarland in den Jahren 1949-1975 wird am Mittwoch, den 08.02.2017, stattfinden.

Eingeladen ist die interessierte Öffentlichkeit ab 09:30 Uhr zu einem Begrüßungskaffee, der offizielle Teil der Veranstaltung beginnt um 10 Uhr und endet etwa um 11:30 Uhr. Daran anschließend wird im Rahmen eines kleinen Imbiss die Möglichkeit zum persönlichen Austausch bestehen.

Veranstaltungsort ist die Landessportschule des Saarlandes, Hermann-Neuberger-Sportschule 4, 66123 Saarbrücken.

Anmeldung: Bitte melden Sie sich bis zum 3. Februar telefonisch unter 0681/501-1342 oder per Mail unter a.laux@soziales.saarland.de an, wenn Sie teilnehmen möchten.