Projekt

Das Forschungsprojekt

„Aufarbeitung und Analyse der Jugendfürsorge und Heimerziehung im Saarland in den Jahren 1945 bis 1975“

Seit Januar 2015 arbeitet ein Forschungsteam der Universität Koblenz-Landau unter Leitung von Prof. Dr. Christian Schrapper an einer Aufarbeitung der Heimerziehung im Saarland in den Jahren 1945 bis 1975. Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes.

Dass die Heimerziehung der 1950er und 60er Jahre nicht unausweichlich, in ihren Wirkungen aber weitaus überwiegend ein System war, das Unrecht erzeugt hat, ist Stand der Forschung. Unstrittig ist auch, dass es von gesellschaftlicher Stigmatisierung unehelicher oder „verwahrloster“ Kinder über die teilweise nicht oder unzureichend geprüfte Notwendigkeit einer Trennung und sog. Fremdunterbringung überwiegend in Heimerziehung, bis hin zur mangelnden Heimaufsicht und Heimleitung und körperlich oder seelisch misshandelnden Betreuerinnen und Betreuern eine Kette der Verantwortungslosigkeit gab. Bundesweite Studien der letzten Jahre rekonstruierten in der Regel möglichst genau die frühere Praxis der Heime und Behörden, zeigten Gründe für den Mangel an wertschätzender Pädagogik und die Folgen dieses Umgangs auf die Persönlichkeitsentwicklung auf – so auch die Studien von Professor Schrapper zum Landesfürsorgeheim Glückstadt in Schleswig-Holstein (Johns/Schrapper 2010) oder zu den landeseigenen Erziehungsheimen in Rheinland-Pfalz (Imeri/Schrapper/Ströder 2016).

Diese grundsätzlichen Befunde müssen für die Heimerziehung im Saarland nicht erneut „bewiesen“, wohl aber differenziert belegt werden. Aktenrecherchen in Archiven des Saarlandes und Dokumentenanalysen sind dafür ein elementarer Forschungszugang. Neben der Frage, wie „öffentliche Erziehung“ damals in den Heimen konkret gemacht wurde und gewirkt hat, soll aber insbesondere der biografische Aspekt im Vordergrund stehen: Welche „Spuren“ hat die Heimerziehung dieser Jahre in den Lebensläufen ihrer Zeitzeugen hinterlassen – in denen ehemaliger Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie in denen früherer Mitarbeitenden in den Heimen und Behörden. Das Erinnern und Erzählen von Betroffenen und ehemaligen Mitarbeitenden in Form von biografisch-narrativen Interviews bildet dabei einen Schwerpunkt der Studie.

Im Saarland hat sich bereits im Herbst 2014 eine aktive Gruppe Betroffener gebildet, die den Aufarbeitungsprozess im Saarland im Rahmen einer Adhoc-Arbeitsgruppe begleitet und unterstützt. Auch Heimträger, örtliche Jugendämter und das Landesjugendamt äußerten ihr Interesse und ihre Bereitschaft zur Mitwirkung. Im Rahmen eines Runden Tisches konnte auf dieser Grundlage gemeinsam mit allen Beteiligten ein Konzept für die Aufarbeitung der Heimerziehung im Saarland erarbeitet werden. Dieses sieht u.a. die Fortführung des Modells „Runder Tisch“ zu sechs themenspezifischen Schwerpunkten vor, zu denen inhaltliche Entwürfe erarbeitet wurden.